Von Stefan Manemann    Fotos: Gerhard Klähn

Die Einladung zu einem Besuch des Kultusministers an der BBS 2 Wolfsburg ist im Rahmen der letzten didacta in Hannover besprochen worden. Dort zeigte sich Kultusminister Grant Hendrik Tonne begeistert von der Motivation und der Kreativität der Schülerinnen und Schüler aus Wolfsburg auf dem Stand des Kultusministeriums und entschloss sich, die Wirkungsstätte gelungener Kooperation in Wolfsburg selbst zu besuchen.

Am Freitag, dem 7. Februar 2020, hat sich der Minister, gemeinsam mit der Stadträtin Bothe und den Landtagsabgeordneten Glosemeyer, Heilmann und Koch angesehen, welche Projekte im Smart Factory Labor der BBS 2 umgesetzt werden und wie die Bildung für die Digitalisierung gestaltet werden kann.

Das Labor besteht aus Smart factory Unterrichtsmodellen, die an den realen Produktionsbedingungen und Fertigungsumgebungen moderner, digital arbeitender Betriebe ausgerichtet sind. Sie geben den Auszubildenden in berufsbildenden Schulen Einblicke in die Anforderungen der Arbeits- und Berufswelt 4.0 und vermitteln Kenntnisse über digitale Produktionsabläufe. Auch das interdisziplinäre Lernen und Arbeiten in Verbindung mit gewerblich-technischen und kaufmännischen Elementen wird gefördert. Dabei wird z. B. die Produktion und Robotik an der gewerblich-technischen berufsbildenden Schule angesiedelt; die kaufmännischen berufsbildenden Schulen simulieren den Geschäftsprozess mit einer Enterprise Ressource Planning (ERP) Software. Ein besonderer Schwerpunkt der Projektschulen in Wolfsburg besteht im „Lernen und Arbeiten 4.0 in der Berufsausbildung“. Durch moderne authentische Lernumgebungen wird die Digitalisierung mit ihren veränderten Anforderungen auf der betrieblichen Ebene aktiv im schulischen Umfeld für die Ausbildung des Fachkräftenachwuchses genutzt.

„Die Erfahrungen, die an den Standorten der „smart factories“ gemacht werden, sollen anderen Regionen durch Fortbildung, Beratung und die Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien frühzeitig zugänglich gemacht werden. Gemeinsam mit kleinen und mittleren Unternehmen sowie den Industrie- und Handelskammern vor Ort leisten die berufsbildenden Schulen damit einen wichtigen Beitrag zu Gewinnung neuer Fachkräfte“, so Kultusminister Grant Hendrik Tonne.

Zur Vorstellung wurden sechs Projekte für den Besuch ausgewählt, die unterschiedliche Bereiche aktueller und zukünftiger Bildung und Technologien betrachten: Produktionssteuerung mit RFID-Chips in der Smart Factory, die Grundlagen der IT-Netzwerktechnik, ein selbst konstruierter Roboter aus dem 3D-Drucker, Programmierung interaktiver Animationen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit mit unserem Planeten Erde im Blick und die Gestaltung der Bildung mit einer digitalisierten T1-Stiftebox.

Das Projekt eines selbst konstruierten Roboters entstand in einem Viererteam im Rahmen einer Projektphase von VW-Auszubildenden an der BBS 2 Wolfsburg. Im ersten Schritt wurde durch das Team ein online Lehrgang zur kollaborativen Robotik durchlaufen und optimiert. Nachdem dies erfolgreich abgeschlossen wurde, überlegte sich das Team, selbst einen Roboter zu konstruieren, zu programmieren und im 3D-Druck zu fertigen. Der funktionsfähige Roboter kann sogar mit einer eigenen Smartphone App gesteuert werden.

Die von Auszubildenden im Zusammenspiel mit den Lehrkräften programmierten interaktiven Lern-Animationen werden auf der offenen Lernplattform der BBS 2 Wolfsburg unter der Adresse  www.xplore-dna.net der Öffentlichkeit frei zur Verfügung gestellt. Die Lerninhalte sind mittlerweile so beliebt, dass einzelne Inhalte mehr als 10.000-mal pro Jahr aufgerufen werden und die Videos der BBS 2 Wolfsburg über 27.000x im Jahr 2019 gesehen wurden.

Auch das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt die Auszubildenden von Volkswagen und die Lehrkräfte. Zwei duale Studierende der Elektrotechnik, Len Reinecke und Philip Lederer, entwarfen den Online-Kurs „Energy Scouts“, um für einen nachhaltigen Umgang mit dem Planeten Erde zu sensibilisieren und entsprechendes Handeln zu aktivieren.

Schulleiterin, Marianne Broska, äußert sich begeistert zu der neuen Projektidee des VW T1-Transporters und sichert für das Projekt ihre volle Unterstützung zu.

Das T1-Projekt hat das Potenzial, über viele Schulformen und Generationen hinweg Digitalisierung anschaulich vermitteln und lernen zu können. Dazu wurde zusammen mit einem Studenten der Mechatronik, Chris Schnell, eine Stiftebox der Firma Werkhaus auf Basis eines VW T1-Transporters so umgebaut, dass sich die Stiftebox zum Beispiel mit dem Internet verbinden kann, um E-Mails zu verschicken oder die Temperatur online darzustellen. Als Highlight ist die T1-Stiftebox jetzt auch fahrbar und kann per Fernbedienung gesteuert werden. Dies war nur mit der Fertigung einzelner Komponenten über 3D-Druck und guten Programmierkenntnissen möglich.

Diese Projekte wie einige weitere fließen an der BBS 2 Wolfsburg in unterschiedliche Schulformen ein wie zum Beispiel in die Ausbildung zur/zum „Staatlich geprüften Techniker*in“, berichtet Stefan Manemann, Abteilungsleiter der Fachschule Technik und Projektleiter Digitalisierung. Herr Manemann lobt die hohe Motivation der Schülerinnen und Schüler und bedankt sich für das Engagement aller an den Projekten beteiligten Personen. Durch die Unterstützung durch Volkswagen, das Land Niedersachsen und die Stadt Wolfsburg kann die BBS 2 Wolfsburg in dem Smart Factory Labor die Schülerinnen und Schüler auf ihren zunehmend digitalisierten Beruf bestens vorbereiten.