Zehn Slammer präsentierten ihre Texte im Hörsaal

Von Kathrin Bialas

Am Freitag, dem 18.11.2022 fand nach zweijähriger coronabedingter Pause der vierte Poetry Slam an der BBS II Wolfsburg statt. Fast 200 begeisterte Besucher sahen zehn verschiedene Performances ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler zu unterschiedlichsten Themen.
Insbesondere aktuelle politische Themen, Zukunftsängste, die Schulzeit, Jugendwörter sowie die Nutzung von digitalen Angeboten fanden dabei viel Beachtung und wurden kritisch reflektiert.

Die Moderatoren Celine und Nik führten charmant und humorvoll durch die Veranstaltung. Der Schulseelsorger und Pastor Herr Weihmann machte außer Konkurrenz den Auftakt und nahm den Slammern somit die Angst vor der großen Bühne. Er fragte ins Publikum „Träumst du nicht auch manchmal?“ und schilderte abwechslungsreich den Wunsch vieler Menschen nach weniger Komplexität und Kompliziertheit sowie das Verlangen, einfach zu sein statt ständig etwas tun zu müssen. Jeder solle sich selbst auch einmal ein freundliches Lächeln schenken und nicht vergessen, dass den Träumenden die Welt gehöre.

Die Gewinnerin des folgenden Schüler-Slams, Sarah – von ihrer Klasse FIAN222 sogar mit einheitlichen Fanshirts unterstützt – kritisierte in ihrem Text „Ist es wirklich Glück?“ das ständige Streben nach Perfektion als Phänomen ihrer Generation. Viele Zuschauer konnten sicherlich ihre sprachlichen Bilder vom „Hamsterrad“, in dem man sich befindet oder dem ständigen „Duell mit der Zeit“ nachvollziehen.

Den zweiten Platz belegte Yannic, der sich sämtliche Klassenmitglieder in seinem „Disstrack an die Klasse“ (mit ihrem Einverständnis) ziemlich hart zur Brust nahm, am Ende aber auch genug Kritik für sich selbst übrig hatte und relativierte: „Kein böses Blut und alles ist gut!“

Tizian und Justin belegten mit ihrem gemeinsamen Text „Musik wahrnehmen und Erotikthemen“ über ebendiesen Zusammenhang in schnellem Tempo und mit einigem Witz den dritten Platz.

Aber auch die übrigen Beiträge waren überragend. So etwa Robert, der sich über „Jugendwörter“ wie cringe, bodenlos oder seinen persönlichen Favoriten bäär ausgelassen und den Sinn solcher Wortneuschöpfungen mit dem Drang dazu, Dinge lustiger zu machen, begründet hat. – Was angesichts der komplexen, teils belastenden Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler nur allzu verständlich scheint.

Genauso sehnte sich auch Sarah in ihrem Text „Schulzeit“ mit wahren Worten zurück in die frühe, unbekümmerte Zeit, in der sie „tanzten, so lang uns unsere Beine trugen“ und weg von überhohen Lebenshaltungskosten für Nahrung, Energie und Krankenversicherung.
In ihrem sehr emotionalen, lyrisch anspruchsvollen und toll performten Beitrag „Ritter“ schilderte Marie, wie man zu zweit jede Sekunde nutzen sollte, ehe die Zeit abgelaufen ist und der „Ritter nicht mehr retten konnte“.
Auch Bastian als ehrenamtlicher Feuerwehrmann lief die Zeit davon: In seinem Text „Es brennt“ thematisierte er den Ablauf bei einem Großbrand für ihn als Feuerwehrmann, bis er am Ende feststellte, dass niemand kam und „es brannte“ – eine wichtige Kritik am Nachwuchsmangel in der Freiwilligen Feuerwehr.

Timo erklärte uns, was eine typische „Emily“ ist, nämlich eine Frau, deren politisch überkorrekte Meinung keinen Widerspruch duldet und bei der es als Reaktion nur zwei Möglichkeiten gebe: Rückzug oder so weit, bis es kein Zurück mehr gibt.
Ein Zurück aus der derzeitigen politischen Lage wünschte sich auch Corvin in seinem Beitrag „Politikversagen“, in dem er sehr plakativ Missstände, die er zur Zeit wahrnimmt, kritisierte und auch hart mit amtierenden Politikern abrechnete.
Lisa beendete den Slam mit ihrem Text „Discord“ über das Verständnis und Missverständnis sowie die Nähe und Entfernung auf ebendieser Plattform, wo eine innige Bekanntschaft ein schnelles Ende finden kann.

In jedem Fall ist deutlich geworden: Wir sind eine Schule, die Platz bietet für eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen, die Offenheit und Toleranz fördert und die stolz sein kann auf ihre engagierten Schüler. Allein schon der Mut der Slammer, vor so vielen Zuschauern solch persönliche Texte zu performen, verdient ein riesiges Lob! Das empathische und respektvolle Verhalten des Publikums, die Begeisterung, die sich in tosendem Applaus entlud, zeigte, dass so ein Poetry Slam den Schulalltag bereichert, den Zusammenhalt stärkt und Themen in Erinnerung ruft, die noch lange nachhallen werden.

Wir freuen uns auf die fünfte Auflage des Poetry Slams der BBS II im nächsten Jahr!