Angehende Mechatroniker setzen sich mit Grenzerfahrungen auseinander
Ein Schüler-Artikel im Interviewstil von der Berufsschulklasse Mech23 anlässlich des Besuchs des Stücks „Dein Spiel am Limit“ im Scharoun Theater Wolfsburg am 19.05.26
Was ist das Besondere der Wilden Bühne aus Bremen?
Frau Hüging (42 Jahre): „Das Besondere an der Wilden Bühne ist, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler ehemalige Suchtkranke sind. Durch ihre Biografien kennen sie sich mit verschiedenen Suchtproblemen wie Drogen-, Alkohol- oder Spielsucht genau aus und nutzen dies für ihre präventive Theaterarbeit. Das Ensemble tritt bundesweit an Schulen, Jugendhäusern, Theatern und auf Fachveranstaltungen auf, um über Risikoverhalten und Grenzerfahrungen aufzuklären. Ein Beispiel hierfür ist der Gastauftritt im Wolfsburger Theater mit der Vorstellung „Dein Spiel am Limit“.
Wie hat euch Schülerinnen und Schülern das Stück gefallen?
Diego S. (23 Jahre alt): „Ich fand das interaktive Schauspiel sehr besonders, Leute aus dem Publikum hatten die Möglichkeit ihre Problemlösungen und Ideen auf der Bühne vorzustellen. Außerdem gefiel mir, dass die Schauspieler ihre Rollen mit eigenen Erfahrungen sehr gut umsetzen konnten.“
Was ist ein interaktives Theaterstück und wie wurde es in dem Stück umgesetzt?
Lukas R. (22 Jahre alt): „Ein interaktives Theaterstück ist eine Vorstellung, bei der das Publikum miteingebunden wird. Das Publikum hatte nämlich nach jeder Szene die Aufgabe die Probleme herauszukristallisieren und sollte diese dann so gut es geht zum Besseren wenden oder sogar lösen. Hierzu wurden Menschen aus dem Publikum als zusätzliche Schauspieler besetzt. Bei der ersten Szene stand ich selbst als Schüler auf der Bühne und habe probiert meine 2 Mitschüler vom Drogenkonsum abzuhalten. Ich habe es leider nicht hinbekommen! Aber ich habe bewirkt, dass sie ein schlechtes Gewissen haben. Außerdem habe ich meinen Charakter aus der Situation befreien können, wodurch dieser nicht mit dem Drogenkonsum der anderen in Verbindung gebracht wurde.“
Worum geht es in dem Theaterstück „Dein Spiel am Limit“ bzw. in den 3 Szenen?
Calo (22 Jahre alt): „In dem Theaterstück wurden realistische Situationen dargestellt, die leider öfter passieren, als man denkt. Dies gilt sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene. Nach den jeweiligen Szenen, die ca. 5 bis 6 Minuten gingen, wurde das Publikum gefragt, was man in der Situation besser hätte machen können, um weitere Folgen zu vermeiden. In der ersten Szene ging es um Jugendliche auf einer Klassenfahrt in Bremen. Die Jugendlichen sollten sich mit einem Plan die Stadt anschauen, worauf sie mehr oder weniger keine Lust hatten. Eine Person hatte einen Joint dabei und wollte diesen mit 2 Klassenkameraden teilen. Einer weigerte sich, der andere konsumierte mit. Alle 3 wurden danach von dem Klassenlehrer erwischt und wurden der Klassenfahrt verwiesen. In der zweiten Szene war das Thema Koma-Saufen: Es ging um Jugendliche, die ihr gutes oder schlechtes Zeugnis unterschiedlich mit einer Hausparty gefeiert haben. Vor Beginn haben sie zusammen ausgemacht, keinen Krankenwagen zu rufen und keine Eltern zu benachrichtigen egal was passieren würde. Im Laufe des Abends wurde einer sehr betrunken, bis er umgekippt ist. Es wurde kein Krankenwagen gerufen und auch keine Elternteile benachrichtigt. In der dritten und letzten Szene ging es um Spielsucht. Die Hauptrolle spielte ein Junge, der in seinem Elternhaus Probleme hatte und bei dem es in der Schule nicht gut lief. Er sah, wie andere sich Dinge kauften, welche er sich niemals leisten könnte. Dazu kam noch, dass er sehr gerne Fußball spielte und auf Grund seines aggressiven Fehlverhaltens auf dem Spielfeld vom Verband gesperrt wurde und nicht mehr spielen durfte. Also verbrachte er viel Zeit am Computer, dort fing er mit Glückspiel an und wurde süchtig nach Sportwetten. Um seine Abhängigkeit zu finanzieren, beklaute er seine Mutter.“
Was hat dir an der 1. Szene zum Thema „Kiffen auf der Klassenfahrt“ gefallen / nicht gefallen? Warum?
Amy (24 Jahre alt): „Mir hat an der 1. Szene sehr gut gefallen, dass es sehr realistisch dargestellt wurde. Solche Situationen kennt man auch z.B. aus Filmen oder auch von Erzählungen. Nach der Szene erzählten 2 Schauspieler von ihrem Bezug zu dem Thema, dies war sehr erstaunlich. Da dachte ich, dass man in solchen Momenten merkt, dass man manche Süchte einem Menschen nicht ansehen kann und diese deshalb auch oft unbemerkt bleiben. Die Vorschläge zum Problemlöseverhalten des Publikums waren sehr gut und wurden auf der Bühne zudem bestens umgesetzt. Sag Nein zu Drogen!“
Was hat dir an der 2. Szene zum Thema „Koma-Saufen nach den Zeugnissen“ gefallen / nicht gefallen? Warum?
Finn (22 Jahre): „Mir hat an der 2. Szene gut gefallen, dass auf ein Thema aufmerksam gemacht wurde, welches oft unterschätzt wird. Gerade Jugendlichen ist die eigene Grenze beim Alkoholkonsum nicht bekannt, was schlimme Folgen haben kann. Viele überschätzen sich und die Gefährlichkeit des übermäßigen Konsums. Wie schnell so etwas zu einer tödlichen Alkoholvergiftung führen kann, besonders dann, wenn aus Angst nicht geholfen wird, ist oftmals nicht bewusst. Die Szene wurde sehr authentisch dargestellt und der ein oder andere aus dem Publikum hat sich bereits selbst in einer ähnlichen Situation befunden. Der Lösungsvorschlag des Publikums wurde gut umgesetzt und hat gezeigt, dass man in einer solchen Situation aktiv eingreifen muss, um Schlimmeres zu verhindern. Achte auf dich und deine Freunde! Suche Hilfe bei Eltern, rufe den Krankenwagen!“
Was hat dir an der 3. Szene zum Thema „Facetten der Spielsucht“ gefallen / nicht gefallen? Warum?
Fabian (23 Jahre alt): „Ich fand die Situation sehr authentisch und gut dargestellt. Da es viele Situationen gibt, in denen Sportwetten als Geldgeschäft dargestellt werden und die Risiken meistens keine Aufmerksamkeit bekommen. Die Schauspieler haben die Szene gut gespielt und über das Thema aufgeklärt: Nimm Spielen ernst und prüfe deinen Konsum! Ich fand allgemein das Theaterstück sehr gut und aufklärend.“
Welche Themen waren für das Publikum interessant und wie haben sie die Szenen verändert?
Anton (23): „Die Szene Koma-Saufen hat meiner Meinung nach viele bewegt, da eine Hausparty dargestellt wurde, in welcher einer der Partygäste so viel getrunken hat, dass er überhaupt nicht mehr ansprechbar war und es ihm sehr schlecht ging. Seine Freunde haben jedoch aus Angst davor, von den Eltern Ärger zu bekommen, nicht den Krankenwagenwagen rufen wollen, obwohl dies bitter nötig gewesen wäre. Nach der Szene hat einer der Schauspieler eine Geschichte aus seiner Vergangenheit erzählt. Er erwähnte eine Hausparty, die er bei sich gefeiert hat. Es waren laut ihm über 100 Gäste da. Dort ist genau das Gleiche passiert. Eine Freundesgruppe kam zu seiner Party und hat sehr viel getrunken. Am nächsten Tag, als er das Chaos der Party aufräumen wollte, fand er einen aus der Gruppe reglos im Garten liegen. Seine Zunge war stark angeschwollen und sein Gesicht blass. Er war nicht mehr am Leben. Keiner seiner Freunde ist geblieben, um sich um ihn zu kümmern. Die Szene hat mich und viele andere in dem Theater sehr bewegt. Die Vorstellung hat gezeigt, wie schnell Alkohol und Drogen gefährlich werden können.“
Welche Fragen hattest du im Anschluss an die Vorstellung an die Schauspieler?
Marvin (23): „Ich habe mich gefragt, wie die Familie/Freunde auf deren Konsum von Drogen reagiert hat. Haben sich die Eltern oder Freunde um einen gekümmert oder haben sie euch damit alleingelassen? Auch wenn ihr heute keine Drogen mehr nehmt, was für Folgen begleiten euch nachträglich immer noch? Welche Tipps und Tricks habt ihr, um einem Betroffenen am besten zu helfen, der in einer Suchtsituation steckt?! Diese und viele andere Fragen der Besucher beantworteten die Schauspieler gerne, um ihren Beitrag zur Gesundheitsförderung sowie Sucht- und Gewaltprävention zu leisten. Vielen Dank dafür!“