Themenerweiterung von Nachhaltigkeit zu Frieden
Text und Bilder von Stephanie Hüging
Am 11.06.26 fand erneut der Poetry Slam an der BBS II Wolfsburg statt. Das diesjährige Thema war Frieden und somit eine Erweiterung des Nachhaltigkeitsgedankens. Denn Frieden hat viele Facetten: Es reicht von der Suche nach dem inneren Frieden des Einzelnen über den sozialen Frieden in Form eines harmonischen Miteinanders im Familien- oder Freundeskreis bis hin zum gesellschaftlichen Frieden ohne Krieg im eigenen Land und dem Traum nach Weltfrieden. Darüber hinaus gibt es auch den ökologischen Frieden durch den bewussten Umgang mit Natur und Ressourcen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Poetry Slam hatten die freie Wahl bezüglich ihrer thematisierten Inhalte und der genutzten Textform. Präsentiert wurden 11 sehr unterschiedliche Beiträge, mal allein und mal zu zweit. Da es sich um eine Schulveranstaltung von Schülern für Schüler handelte, lag auch die Moderation in ihrer Hand. Dieses Jahr übernahmen dies Donick und Andrej aus der 12. Klasse des Beruflichen Gymnasiums Ingenieurwissenschaften. Sie stellten den Besucherinnen und Besuchern im Hörsaal das Thema vor, interviewten die Slammerinnen und Slammer, organisierten das Online-Voting des Publikums und übergaben die Preise an die Sieger.
- Angelina (BGY25) startete mit ihrem Beitrag „Das Gefühl von Frieden“. Dieser handelte von Problemen junger Erwachsener und endete mit der Frage, ob es den inneren Frieden im stressigen Alltag und Beruf überhaupt geben könne.
- Pieter (FOT12-25) folgte mit seinem interessanten Slam „Kein Totalschaden“, indem lösbare Probleme mit kleinen Autoschäden verglichen wurden, die Streit auslösen. Er appellierte daran, Menschen mit all ihren Fehlern zu akzeptieren. Denn sie seien keine Maschinen, die immer fehlerfrei funktionieren. Man könne Streitigkeiten reparieren, wie ein Mechaniker Autos. Denn Pieter hat aus seinem Beruf KFZ-Mechatroniker etwas gelernt, was man für die Lösung von Konflikten anwenden kann.
- Jenna (BGY24) setzte sich mit „Hoffnung auf Frieden“ auseinander und Problemen der Welt, die zu Krieg führen. Sie rief u. a. die Politiker dazu auf keine Mauern zu bauen, sondern diplomatische Brücken. Jedoch kritisierte sie auch die Hoffnung auf ein einfacheres Leben durch KI.
- Marat (BGY25) betrachtete den „Frieden mit der Vergangenheit“ und erzählte die Geschichte eines geflüchteten Jungen, der das Erlebte akzeptieren müsse. Dies präge einen zwar, aber dürfe nicht zu einer Belastung werden. Sonst fände man nie den inneren Frieden.
- Frederike (FOG11-25.2) forderte zu „Umarmungen statt Waffen“ auf. Sie stellte dar, dass sich zwar alle Frieden wünschen, aber dennoch ständig Streit anfangen. Alle Menschen sollten sich vertragen, da Konflikte sie zerstören. Da Worte wie Waffen seien, die andere verletzen, müssten sie bewusst eingesetzt werden. Sie appellierte an unseren Mut zur Versöhnung mit unserem sozialen Umfeld.
- Ben und Maurice (BGY24) stellten die Frage „Was ist los mit dieser Welt?“. Im Fokus dieses Slams stand die Rolle der Medien und ihr Einfluss auf den Krieg. Durch die bewusste Veröffentlichung von Skandalen, Korruption und polarisierenden politischen Haltungen würden sie Konflikte schüren und diese für ihre Quote ausnutzen. Jedoch sei die Meinungs- und Pressefreiheit in einer Demokratie etwas Positives. Allerdings sollten wir uns nicht mit dem Schlimmen abfinden, sondern die Probleme unserer Welt endlich angehen. Das betrifft u. a. den Kampf um Freiheit. Um die gegensätzlichen Konflikte besser zu zeigen, stellten sie sich Rücken an Rücken gegeneinander und sprachen abwechselnd.
- Olgita (BGY24) präsentierte ihren Slam „Nicht mein Krieg, trotzdem meine Frage“ und wies darauf hin, dass der Krieg in einem Land die ganze Welt belasten könne. Statt sich über Kleinigkeiten zu beschweren, sollte man sich über den Frieden im eigenen Land freuen. Denn ein Leben ohne Krieg sei nicht selbstverständlich. Außerdem sollte Frieden nicht vom Geburtsort abhängen, sondern überall sein.
- Miguel (FOT12-25) sagte: „Ich weiß nicht, was Frieden ist“. Er stellte die Komplexität von Frieden vor und betonte, dass die Abwesenheit von Krieg nicht automatisch zu einem friedlichen Miteinander führe. Er betonte, dass eigentlich alle Menschen es lieben zu lästern und Streit zu suchen. Seiner Ansicht nach sei jeder auf seinem persönlichen Friedensweg. Kurzzeitiges Glück oder Vergessen von Problemen durch Konsum von Alkohol und Drogen sei dabei aber keine Lösung.
- Jenni (BGY24) präsentierte ihren Beitrag „Social Media ist zu teuer für meinen Frieden“. Hierin setzte sie sich mit den Vorbildern auseinander, denen man nacheifern solle. Sie stellte die Frage, warum man das eigentlich tun solle. Denn für wen versuche man denn sich selbst immer mehr zu verbessern und ein unerreichbares Ideal zu verfolgen. Sie stellte die Frage, ob einen eigentlich alle mögen müssen. Im Zentrum stehe schließlich nur, dass man sich selbst lieben sollte. Sie rief zum Abstandnehmen auf vor Menschen, die einem nicht guttun und einen immer schlechter machen, als man sei.
- Levin (BGY24) befasste sich ebenfalls mit der Komplexität von Frieden und stellte die Frage „Mythos oder Wirklichkeit?“. Er kritisierte, dass Politiker Moral und Frieden vergessen hätten. Sie sollten sich für Toleranz und keine Verfolgung und Einheit einsetzen, obwohl diese wahrscheinlich eine Wunschvorstellung sei. Levin appellierte daran, dass die Menschen die Vorurteile ablegen sollten, um das Band des Friedens zu stärken und Hass hinter sich zu lassen.
- Betty (BGY25) fragte in ihrem Slam „Ist das noch Leben?“. Sie präsentierte Frieden aus Sicht eines Schülers, dessen Leben sich nur um Leistungsdruck und gute Noten dreht. Durch zu hohe Erwartungen der Eltern entstünde ein Leben am Limit geprägt von Dauerstress und ohne Schlaf, bis man schließlich nur noch flüchten könne zu Freunden. Ob die Abschaffung von Schulnoten hierfür eine Lösung darstellt, sei dahingestellt.
Insgesamt war es erneut eine gelungene Schulveranstaltung mit einem großartigen Publikum, das kräftig applaudierte. Die Moderation wurde zum ersten Mal erfolgreich nur von den Schülern übernommen – ohne die Unterstützung der betreuenden Deutsch-Lehrkräfte. Ein großes Dankeschön gilt allen teilnehmenden Slammern für die gelungenen Performances, welche die Facetten des Friedens umfangreich beleuchteten. Wir gratulieren den diesjährigen Gewinnern: Platz 1 ging an Pieter (FOT12-25), Platz 2 an Marat (BGY25) und Platz 3 an Frederike (FOG11-25.2). Sie erhielten Kinogutscheine. Alle anderen Teilnehmer bekamen ebenfalls ein Dankeschön in Form von nützlichen Kleinigkeiten für den Schulalltag.