Abiturjahrgang analysiert politische Sprache und besucht Theaterstück über NS-Prozess

Von Stephanie Hüging

Der aktuelle Abiturjahrgang befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Einsatz von Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen.

Hierbei wird sowohl die politische Kommunikation in Diktaturen als auch Demokratien thematisiert. Dies gilt u.a. für die Manipulation durch Sprache im NS-Deutschland, welche durch Analyse politischer Reden festgestellt werden kann. Aber auch in heutigen Reden werden Strategien zur Meinungsbeeinflussung angewendet, z.B. bei Wahlen. Die Schüler befassen sich daher mit der Untersuchung von sprachlichen Merkmalen in Texten und Medien. Sie setzen sich kritisch mit der dortigen Kommunikation auseinander, um die Absicht der Sprecher zu durchschauen: Geht es ihnen nur um Verständigung oder auch um Manipulation?

Außerdem setzen sich die Schüler mit aktuellen Gesellschaftsthemen auseinander wie zum Beispiel Fake-News oder politisch korrekter Sprache. Aber auch der Einsatz von Sprache im Rechtsradikalismus wird thematisiert.
Einen Höhepunkt der Auseinandersetzung mit rechtsextremistischer Gewalt stellt der Umgang mit dem Gräuel in den Konzentrationslagern dar. Hierzu besucht die Klasse 13 des Beruflichen Gymnasiums Technik der BBS II Wolfsburg ergänzend zum Deutschunterricht im Leistungskurs die Vorstellung „Die Ermittlung“ von Peter Weiss im Scharoun Theater Wolfsburg.

Dieses Theaterstück thematisiert den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 und lässt sowohl Täter als auch Opfer des NS-Regimes zu Wort kommen.

In der Inszenierung des Wolfsburger Theaters werden Auszüge des Theaterstücks in Form einer szenischen Lesung vorgetragen. Jürgen Beck-Rebholz und Thomas Hoffmann übernehmen hierbei abwechselnd die Rolle von Richter, Staatsanwalt, Zeuge und Angeklagtem im Gerichtprozess. Inhaltlich wird das ganze Grauen der Vernichtungslager offengelegt, indem der Weg der Oper von den Bahnwagons über die Rampe der Aussortierung bis hin zu den Gaskammern und den Feueröfen nachgezeichnet wird. So lernen die Zuschauen nicht nur das komplette Vernichtungssystem des NS-Regimes und ihres Massenmordes kennen, sondern hören darüber hinaus auch individuelle Opfer- und Tätergeschichten. Untermalt wird die Lesung der Theater-Szenen mit historischem Videomaterial aus der NS-Zeit.

Im anschließenden Publikumsgespräch interessieren sich die anwesenden Schülerinnen und Schüler vor allem für die emotionale Belastung bei den Beteiligten während der Vorbereitung und Umsetzung des Theaterstücks. Darüber hinaus werden Details bestimmter Szenen angesprochen wie z.B. die Folter beim Verhör an Staatsfeinden, die medizinischen Versuche an Gefangenen oder das Abstreiten von Teilhabe und Verantwortung beim Personal des KZs und des Bahnhofes.

In „Die Ermittlung“ geht es um die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen, die Konfrontation von Tätern und Opfern sowie die Entlastungsstrategien der Angeklagten. Daher wird es seit den 1990er Jahren oft an staatlichen Gedenktagen aufgeführt, so auch im Scharon Theater Wolfsburg anlässlich des Holocaustgedenktages am 27. Januar 2026. Denn in dieses Stück fester Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur, d.h. der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit mit Fokus auf die Verbrechen des Nationalsozialismus und den Holocaust. Das Erinnern dient dazu, Verantwortung zu übernehmen, demokratische Werte zu stärken und durch Gedenkstätten, Museen, Rituale und Bildungsarbeit aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen.